Kegelsportverein Rositz gewinnt zweiten Inklusionspreis im Thüringer Sport

Der Kegelsportverein Rositz hat den Inklusionspreis im Thüringer Sport gewonnen. Den insgesamt mit über 6.000 Euro dotierten Preis stifteten zum zweiten Mal der Landessportbund Thüringen (LSB) gemeinsam mit dem Beauftragten für Menschen mit Behinderung des Freistaates Thüringen, Joachim Leibiger. Platz zwei ging an den ESC Erfurt und seiner Unified-Mannschaft im Synchroneiskunstlauf. Dritter wurde der Rehasportverein Mühlhausen mit der Abteilung ILOH. Die Auszeichnungsveranstaltung fand am 11. September bei der Jüttner Orthopädie KG in Mühlhausen statt.

Der Kegelsportverein Rositz hat mit seinem inklusiven Vereinsleben den zweiten Inklusionspreis im Thüringer Sport und damit ein Preisgeld von 2.500 Euro gewonnen. Vor drei Jahren haben sich die Rositzer Kegler vom örtlichen Sportverein gelöst und einen eigenen Verein gegründet. Seither hat sich die Mitgliederzahl auf 130 verdreifacht. Darunter sind inzwischen 40 Menschen mit Behinderung, die unter Anleitung eines Übungsleiters zwei Mal wöchentlich trainieren. In der Saison 2018/19 wurde sogar ein Kegler mit Behinderung im Thüringer Kegler-Verband angemeldet. Längst hat sich ein inklusives Vereinsleben entwickelt, in dem gemeinsame Aktivitäten wie Kirmesumzüge oder Weihnachtsfeiern von Menschen mit und ohne Behinderung stattfinden. Aktuell plant der Verein die Kegelsportstätte um ein barrierefreies Multifunktionsgebäude und um behindertengerechte Parkplätze zu erweitern.

Platz zwei und 1.500 Euro gingen mit ganz knappen Abstand an den ESC Erfurt mit seiner Unified-Mannschaft im Synchroneiskunstlauf. Vor vielen Jahren wünschte sich in Erfurt ein Sportler mit geistiger Behinderung Paarlaufen auszuprobieren, nachdem er es ein paar Tage zuvor im Fernsehen gesehen hatte. Nachdem er eine Partnerin ohne Behinderung ausgesucht hatte, entstand innerhalb von zwei Jahren das 1. Unified-Paar im Eiskunstlauf in Thüringen, es sollten noch einige folgen. Seither gestalten im ESC Erfurt Sportler mit und ohne Behinderung verschiedene Höhepunkte gemeinsam, so zum Beispiel die Eisweihnacht in Ilmenau, ein Schaulaufen im Rahmen der Nationalen Winterspiele von Special Olympics Deutschland 2017, die Eisgala in Erfurt, die Eröffnung der transportablen Eisbahn 2018 in Weimar und das Schaulaufen anlässlich der 3. Thüringer Winterspiele von Special Olympics. Seit der Saison 2018/19 gibt es eine inklusive Trainingseinheit. Durch die vielen gemeinsamen Trainingsstunden entstand im Verein die Idee, eine Unified-Mannschaft im Synchroneiskunstlauf mit zwölf Eiskunstläufern, davon sieben mit und fünf ohne Behinderung, aufzubauen. Das nächste große Ziel ist die Teilnahme an den Nationalen Spielen von Special Olympics 2020 in Berchtesgaden.   

Wie bereits beim ersten Inklusionspreis im Thüringer Sport vor zwei Jahren belegte der Rehasportverein Mühlhausen mit der Abteilung ILOH erneut Platz drei und erhält 1.000 Euro. ILOH steht für „Ich lebe ohne Hindernisse“ und macht vielfältige Vereinsangebote, aber auch viele Projektangebote über den Sportverein hinaus. Ziel ist es, Barrieren gegenüber Menschen mit Behinderung durch Begegnung abzubauen. Das Engagement des Vereins hat mittlerweile dazu geführt, dass der Landkreis Unstrut-Hainich unter Federführung von ILOH eine von zehn Modellregionen für Inklusion im Sport in Deutschland ist. Im Rahmen dieser Modellregion verfolgt das Team um Martina Dorenwendt und Marco Pompe den Auf- und Ausbau einer inklusiven Sportlandschaft in der Region Unstrut-Hainich sowie die Verbesserung von Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Behinderung im Sport und die Bereitstellung einer sozialraumorientierten Beratungsleistung in Kooperation mit Akteuren der Region. Der Reha-Sportverein Mühlhausen wurde für das Projekt „Mehr Inklusion für Alle“ (MIA) aus 40 Bewerbern ausgesucht. Die Abteilung „Ich lebe ohne Hindernisse“, engagiert sich vor allem im Rollstuhlsport. Mit sportlichen Aktivitäten sorgt der Verein für Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung. Ziel ist es, barrierefreie Angebote verschiedener Träger zu vernetzen.

Insgesamt waren zur zweiten Auflage des Inklusionspreises im Thüringer Sport 24 bemerkenswerte Bewerbungen eingegangen. Die Entscheidung über die besten Bewerbungen hat eine Fachjury, bestehend unter anderem aus dem Behindertenbeauftragten Joachim Leibiger, Paralympics-Starter Mario Hochberg und LSB-Vizepräsidentin Silke Kraushaar-Pielach getroffen. Das gute Niveau der Bewerbungen zu trennen fiel der Jury mitunter so schwer, dass sie sich dazu entschied, zwei fünfte Plätze zu vergeben. Auf diesen landeten die Erfurter Bowling Löwen mit ihren inklusiven Bowling-Angeboten und der Thüringer Fußball-Verband, der gemeinsam mit Special Olympics Thüringen eine Landesauswahl für Menschen mit Handicap aufgebaut hat. Vierter und mit ebenfalls 500 Euro prämiert wird der Turnverein Apolda 1856, bei dem Menschen mit Behinderung als Übungsleiter und Organisatoren in Form von Sportfesten und inklusiven Wandertagen das Vereinsleben aktiv mitgestalten.

Platzierungen und Projekte in der Übersicht:

1. Platz: Kegelsportverein Rositz (Gelebte Inklusion im KV Rositz)
2. Platz: ESC Erfurt (Synchroneiskunstlauf einer Unified-Mannschaft)
3. Platz: Rehasportverein Mühlhausen (ILOH)
4. Platz: Turnverein Apolda 1856 (Inklusive Sportgruppen und Sportaktivitäten gestalten das Vereinsleben)
Geteilter 5. Platz:
Thüringer Fußball-Verband (Aufbau einer Landesauswahl für Menschen mit Handicap)
Erfurter Bowling Löwen (Inklusive Bowling-Angebote

Der Kegelsportverein Rositz hat den ersten Platz beim zweiten Inklusionspreis im Thüringer Sport belegt. Fotos: LSB Thüringen

Mit minimalem Abstand zum Sieger belegte der ESC Erfurt mit seiner Unified-Mannschaft im Synchroneiskunstlauf den zweiten Rang.


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