IOC bestätigt Aus der Nordischen Kombination für Olympia 2030

Die Entscheidung war keine Überraschung mehr, aber sehr wohl eine Enttäuschung: Das Executive Board des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat den schon länger befürchteten Ausschluss der Nordischen Kombination aus dem Programm für die Olympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen bestätigt. „Wir respektieren die Entscheidung des IOC, auch wenn sie aus unserer Sicht nur schwer nachvollziehbar ist. Die Nordische Kombination ist eine unserer Kerndisziplinen und hat den nordischen Skisport über viele Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt. Gleichzeitig kommt diese Entwicklung nicht völlig überraschend. Jetzt gilt es, die Entscheidung in Ruhe zu analysieren und gemeinsam mit unseren Partnern die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.", sagte Andreas Schlütter, Vorstand Sport im Deutschen Skiverband (DSV). 

IOC begründet Entscheidung mit Reichweite und Internationalität

Das IOC erklärte, dass es während jeder Ausgabe der Olympischen Spiele eine weltweite Studie in allen Schlüsselmärkten auf allen fünf Kontinenten durchführe. Die Untersuchung zu den Winterspielen 2026 umfasste 14 Popularitätsindikatoren, darunter die TV-Abdeckung, die Zugriffszahlen in digitalen Medien und das generelle öffentliche Interesse. Bei elf der 14 Indikatoren belegte die Nordische Kombination den letzten Rang unter allen Disziplinen. Dazu kommt laut IOC die Herausforderung, dass die Universalität der Disziplin nicht ausreiche. Über die vergangenen vier Ausgaben der Winterspiele gesehen konnten Athleten aus lediglich fünf Nationen Medaillen gewinnen. Die Frauen, die erst seit 2020 Weltcup-Wettbewerbe bestreiten und zu den Spielen in Norditalien vergeblich auf ihre Aufnahme gehofft hatten, müssen damit auch weiterhin auf ihre Olympiapremiere warten.

Der Thüringer Sport bedauert die Entscheidung des IOC, die Nordische Kombination aus dem olympischen Programm zu nehmen. „Diese Aussage zum aktuellen Zeitpunkt der Saisonvorbereitung löst natürlich auch Unsicherheiten bei Athletinnen, Athleten und ihren Trainern aus. Ihre Enttäuschung ist groß. Wir werden sie natürlich in der aktuellen Situation unterstützen. Dass wir die Betreuung mit dem heutigen Tag beenden, wird nicht passieren. Im Gegenteil. Wir stehen den Sportlern in dieser schwierigen Zeit zur Seite“, sagte OSP-Leiter und LSB-Vorstand Geschäftsführer Bernd Neudert.

Fünf Thüringer Olympiamedaillen in der Nordischen Kombination:

  • Karl-Heinz Luck Bronze 1972 Sapparo, SC Motor Zella-Mehlis
  • Ronny Ackermann, Silber Sprint und Team 2002 Salt Lake City; Silber Team 2006 Turin, Rhöner WSV Dermbach
  • Tino Edelmann, Bronze Team 2010 Vancouver, SC Motor Zella-Mehlis

Die Disziplin begeisterte durch ihre Vielseitigkeit seit den ersten Olympischen Winterspielen 1924 und ist nicht nur in Deutschland, sondern auch international eine bedeutende Basis- und Ausbildungsdisziplin für Kinder und Jugendliche. In vielen Ländern ist sie ein Fundament der Nachwuchsentwicklung für andere nordische Sportarten wie das Skispringen und Langlaufen. „Ich teile die Enttäuschung der Athletinnen und Athleten, die über Jahre mit großer Disziplin, Leidenschaft und Entbehrung auf die Verwirklichung ihres olympischen Traums hingearbeitet haben und nun zunächst mit dieser Entscheidung leben müssen. Zugleich müssen wir anerkennen, dass das IOC das olympische Programm im Sinne zukunftsfester Spiele an veränderte Rahmenbedingungen anpassen muss. Umso wichtiger ist es jetzt, gemeinsam mit allen Beteiligten neue Perspektiven für die Nordische Kombination zu schaffen und deren sportliche Zukunft nachhaltig zu sichern", erklärt DOSB-Präsident Thomas Weikert.

Hoffnung auf Rückkehr ins olympische Programm 2034

Gleichzeitig erkennt der DOSB die Herausforderungen an, vor denen das IOC bei der Zusammenstellung des olympischen Sportartenprogramms steht, und die erfordern, dass das IOC das Programm regelmäßig überprüfen und weiterentwickeln muss, um die Zukunftsfähigkeit und Attraktivität der Spiele zu sichern. Dass die Nordische Kombination in der Bewertungsmatrix nicht die erhofften Ergebnisse erzielen konnte, bedeutet allerdings keinesfalls, dass der Ausschluss aus dem Olympiaprogramm von Dauer sein muss. „Es gibt einen Weg zurück ins Programm der Spiele 2034 in Salt Lake City. Unter den Rahmenbedingungen unserer Fit-for-the-Future-Strategie kann sich jede Sportart und Disziplin von kommendem Jahr an einer neuen Evaluation stellen und sich für die Rückkehr bewerben“, sagte IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey. Die Athlet*innen der Nordischen Kombination werden weiterhin Zugang zu Förderprogrammen des IOC behalten.

DSV richtet den Blick nach vorn

Horst Hüttel blickte nach der Enttäuschung deshalb auch bereits wieder mit Entschlossenheit in die Zukunft. „Gemeinsam werden wir bewerten, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und wie wir die Nordische Kombination künftig bestmöglich weiterentwickeln können. Dazu gehört selbstverständlich auch der enge Austausch mit den anderen führenden Skinationen sowie insbesondere mit dem Weltverband FIS“, sagte der DSV-Sportdirektor Nordisch. Der DSV werde sich auch künftig gemeinsam mit der FIS und seinen internationalen Partnerverbänden für die Weiterentwicklung der Nordischen Kombination einsetzen. Unabhängig vom olympischen Status verfügt die Disziplin weiterhin über ein etabliertes internationales Wettkampfsystem mit Weltcups und Weltmeisterschaften. Für den DSV und auch den DOSB bleibt sie damit ein fester Bestandteil des nordischen Skisports.

Sechs neue Disziplinen und Geschlechterparität bei den Winterspielen 2030

Im Gegensatz zum DSV herrschte im Lager von Snowboard Germany große Freude über die Entscheidung des IOC, den Parallel-Riesenslalom im Programm für 2030 zu belassen und zudem zusätzlich das Teamevent aufzunehmen. Neu ins Programm aufgenommen wurden auch die Disziplinen Single-Mixed-Staffel im Biathlon, Mixed-Staffel im Skicross, Super-Team-Event der Skispringerinnen sowie Freeride, das Skifahren und Snowboarden in freiem Gelände. Im Eiskunstlauf kommt die Disziplin Synchro9 bei den Frauen dazu, ein Synchron-Wettkampf mit neun Sportlerinnen parallel auf dem Eis.

Außerdem werden die Winterspiele 2030 die ersten mit Geschlechterparität sein. Das IOC plant mit 1.525 Frauen und 1.521 Männern, die in 126 Events antreten – 56 für Frauen, 55 für Männer und 15 im Mixed.

DOSB Redaktion, Björn Jensen und Felix Wolf

Der Thüringer Ronny Ackermann gewinnt Silber bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin. Foto IMAGO / Fishing 4


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